Dein Hund möchte nicht zum Tierarzt – Das kannst Du tun

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12Der Besuch beim Tierarzt ist für viele Hundebesitzer Stress pur, weil der Vierbeiner große Angst vorm Tierarzt hat. Wir erklären Dir, wie Du vermeiden kannst, dass Dein Hund eine solche Angst entwickelt oder was Du tun kannst, damit Dein Hund seine Angst vorm Tierarzt verliert.

Man könnte Angst als ein körpereigenes Alarmsystem beschreiben, das uns in die Lage versetzt, rechtzeitig zu flüchten, oder gegen die Gefahr zu kämpfen. Dies gilt für Hunde genau so wie für Menschen. Angst ist also eine lebenswichtige und natürliche Reaktion.

Stefan Grothe

 

Angst vorm Tierarzt – so beugst Du vor

Damit die Besuche beim Tierarzt für Dich und Deinen Hund entspannt verlaufen, haben wir ein paar nützliche Tipps zusammengefasst, wie Du vermeiden kannst, dass Dein Hund eine solche Angst entwickelt.

Gewöhnung an den Tierarzt – von Anfang an

Damit Dein Hund keine panische Angst vor dem Tierarzt entwickelt, ist es wichtig, dass er von Anfang an, an den Gang zum Tierarzt gewöhnt wird. Solltest Du schon einen Tierarzt Deines Vertrauens gefunden haben, ist es wichtig, einen ersten Kontakt, in einer ungezwungenen Situation herzustellen. Dein kleiner Vierbeiner und der Tierarzt sollten im Idealfall Zeit haben, miteinander zu spielen, ein wenig zu kuscheln und natürlich kann das ein oder andere Leckerli zwischendurch auch eine positive Verknüpfung zwischen den beiden herstellen. Leider ist es aber auch unter Tierärzten immer schwieriger, sich ausgiebig Zeit für die verschiedenen Patienten nehmen zu können.

Der erste Besuch in der Praxis – ein Kennenlernen.

Ist ein so spezieller, persönlicher Kontakt nicht möglich, besuche den Tierarzt mit Deinem Welpen, schon bevor seine erste Untersuchung ansteht. Lass ihn in der Praxis in Ruhe ankommen und zwinge den Hund auf keinen Fall zu irgendetwas. Dein Hund soll den ersten Besuch als positiv und unkompliziert erleben. Ein kurzer Kontakt mit dem Tierarzt zum beschnuppern reicht für den ersten Besuch völlig aus. Beim täglichen Spaziergang einfach immer mal kurz reinzuschauen und Hallo zu sagen, falls die Praxis auf dem Weg liegt, vermittelt Deinem Hund einen alltäglichen Umgang mit Tierarztbesuchen.

Wie findest Du den richtigen Tierarzt?

Um Deinem Hund die Angst vor dem Tierarzt zu nehmen, ist vor allem Dein eigenes Verhältnis zum Veterinär wichtig. Da Dein Hund Deine Emotionen klar spüren kann, wird er also merken, ob Du Vertrauen zum Gegenüber hast, ob Du selber Angst hast und ob Dir der Besuch grundsätzlich unangenehm ist. Dementsprechend solltest Du darauf achten, dass Dir der Arzt sympathisch ist und Du kein unsicheres Gefühl hast, Deinen Vierbeiner in seine Hände zu legen. Hol Dir am besten ohne Hund einen ersten Eindruck von Tierarztpraxen, und -kliniken in der Nähe, so dass Du schon eine Vorauswahl treffen kannst. Freunde und Bekannte, die bereits Erfahrung mit verschiedenen Veterinären gemacht haben, können oft auch wertvolle Tipps und Empfehlungen geben. Im Notfall ist es nämlich meistens leider zu spät, um noch lang eine Auswahl zu treffen. Darüber hinaus, ist es auch für den Tierarzt sehr von Vorteil, wenn er das zu behandelnde Tier bereits kennt. Die folgende Liste hilft Dir bei der richtigen Wahl:

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Nach folgenden Kriterien solltest Du Deinen Tierarzt auswählen

1. Fühle ich mich als Hundehalter wohl in der Praxis/ Klinik ?

2. Entsprechen die medizinischen Standards meinen Ansprüchen ?

3. Ist die Praxis im Notfall schnell zu erreichen ?

4. Sind Hausbesuche möglich ?

5. Wie reagiert mein Hund auf den Tierarzt ?

6. Fühlt sich mein Hund wohl in der Praxis ?

7. Welche Erfahrungen haben Freunde/ Bekannte gemacht ?

Woran erkennst Du einen guten Tierarzt – wann solltest Du wechseln?

Ein guter Tierarzt wird auf Dich und Dein Tier gut eingehen können und merkt schnell, wenn Dein Tier Angst hat. Er wird das Tier nicht bedrängen und im Zweifelsfall Dir die Initiative überlassen, Deinen Hund zu beruhigen.

Du solltest auf jeden Fall über einen Tierarztwechsel nachdenken, wenn Du das Gefühl hast, nicht ausreichend informiert und beraten zu werden. Manchmal hilft bei sehr verängstigten Tieren auch, mit einem neuen Tierarzt noch einmal von vorne zu beginnen und eventuell traumatische Momente von vornherein auszuschließen, indem man die Sache anders angeht.

Praxis oder Hausbesuch? – Vor- und Nachteile

Du überlegst noch, ob Du mit Deinem Hund in eine Praxis gehen oder Hausbesuche in Anspruch nehmen sollst ? Wir haben die Vor- und Nachteil für Dich zusammengefasst.

Besuch in der Praxis

Für den Besuch einer Praxis spricht, dass Dein Hund dort nicht sein Revier verteidigen muss und dem Arzt auf neutralem Boden begegnen kann. Die Räumlichkeiten, andere Hunde bzw. Tiere bieten eine tolle Ablenkung und das eigene Zuhause wird nicht mit eventuell unangenehmen Tierarzterfahrungen verknüpft. Nachteil der Praxis ist natürlich, dass es eventuelle Wartezeiten gibt, der Zeitaufwand der ganzen Behandlung/ Untersuchung größer ist und die vielen anderen Tiere, die dort behandelt wurden und werden, auch einen zusätzlichen Stressfaktor für Deinen Vierbeiner bedeuten können.

Hausbesuch

Ein Hausbesuch wird oft als angenehmer und stressfreier, sowie weniger zeitaufwändig wahrgenommen. Dein Hund kann in seiner bekannten Umgebung bleiben und hat für eventuelle Ruhephasen nach einer ermüdenden, schmerzenden Behandlung jederzeit die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Als Nachteil kann man hier anmerken, dass Hunde oft schon am Autogeräusch erkennen, wer da vor der Tür steht und im Zweifelsfall dann auch schwer aus ihrem Rückzugsort zu locken sind, während der Tierarzt z.B. mit einer Impfspritze wartet.

Dein Hund hat panische Angst vorm Tierarzt – so kannst Du Tierarztbesuche stressfrei gestalten

 

Dein Hund hat bereits panische Angst vorm Tierarzt? Hier erfährst Du wie ihr Beide diese Angst loswerden könnte, damit einem entspannt Besuch beim Tierarzt nichts im Wege steht.

Terminplanung

Achte bei der Terminplanung darauf, möglichst früh morgens in die Sprechstunde kommen zu können. Zu dieser Zeit waren noch nicht viele Tiere und Dein Hund wird so den Stress und die Angst der anderen Tiere in der Luft noch nicht wahrnehmen und kann die Umgebung so neutraler erleben.

Gewohnheit

Auch Dein Vierbeiner unterliegt der Macht der Gewohnheit. Um ihm die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen, kannst Du mit ihm einige Wochen jeden Tag einfach nur in der Praxis vorbeischauen, ihm dort ein Leckerli geben und wieder gehen. Dabei entsteht für deinen Hund eine neue, positive Verknüpfung mit der Tierarztpraxis, so dass ihn ein Besuch in Zukunft vorfreudig stimmen wird.

Training

Training zuhause für den Arztbesuch – das mag erst einmal seltsam klingen. Wenn Du aber mit deinem Hund in vertrauter Umgebung spielerisch die Prozeduren einer Untersuchung durchgehst, wird er sich zwar eventuell ein wenig wundern, was da jetzt wohl passiert. Du kannst ihm aber auf diese Weise im Vorhinein die Angst vor ungewohnten Hangriffen des Doktors nehmen. Stell ihn mal auf einen Tisch, untersuche seinen Mund, schau in seine Augen und Ohren…

Wellenlänge

Ist Dein Tier mit dem Tierarzt auf gleicher Wellenlänge? Eventuell hat die Angst Deines Hundes nichts mit der eigentlichen Behandlung, sondern vielmehr mit einer persönlichen Antipathie dem Arzt gegenüber zu tun. Frage dich in diesem Fall, ob die Person Eigenarten an sich hat, die Dein Hund grundsätzlich nicht mag (z.B. laute Stimmen, sehr große Menschen, bestimmte Art sich zu bewegen, spezifische Gerüche in der Praxis) In diesem Fall solltest Du über einen Tierarztwechsel nachdenken.

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Begleitperson

Bist Du die ideale Begleitperson für deinen Vierbeiner? Du musst immer bedenken: Bist Du unsicher, wird Dein Hund es auch, denn Deine Gefühle übertragen sich sofort auf das Tier. Solltest Du selber bezüglich des Tierarztbesuches Angst oder Bedenken haben, überlege, wer statt Deiner, Deinen Hund dorthin begleiten kann.

Panische Angst vorm Tierarzt – wenn sich das Trauma etabliert hat

Gerade bei erwachsenen Hunden kommt es oft vor, dass sich traumatische Erlebnisse bereits festgesetzt und sich eine grundlegende Angst vor dem Tierarztbesuch etabliert hat. In diesem Fall lassen sich zumindest einige Vorkehrungen treffen, die einen Besuch beim Tierarzt zwar nicht in ein schönes, aber auf jeden Fall in ein für Herrchen/Frauchen und Hund erträgliches, ungefährliches Erlebnis verwandeln können.

  1. Bachblütentropfen wirken beruhigend auf das Tier und können ebenso wie homöopathische Mittel vor dem Besuch verabreicht werden. Sie helfen Deinem Hund, sich zu entspannen.
  2. Die Anreise sollte, in der dem Hund angenehmsten Weise stattfinden, da z.B. unbequemes Autofahren für viele Hunde nur noch zusätzlichen Stress bedeutet.
  3. Einige Sicherheitsvorkehrungen wie Maulkorb, Leine und eventuell eine ausreichend große Transportbox müssen zum Schutz vor Verletzungen auf jeden Fall getroffen werden, da Tiere unter Stress oft keine andere Möglichkeit sehen, als sich durch aggressives Verhalten aus der Situation zu befreien. Das heißt im Klartext, dass Du darauf vorbereitet sein musst, dass Dich Dein Hund im Zweifelsfall auch beissen würde, um die Prozedur nicht länger aushalten zu müssen.
  4. Um Deinen ängstlichen Freund dennoch einigermaßen bei Laune zu halten, während er den Tierarztbesuch überstehen muss, ist Belohnung in Form von Leckerlis und Streicheleinheiten zur Beruhigung ein weiterer, ganz wichtiger Punkt.

Interview mit Tierärztin Frau Dr. Ellen Eringer

Ich habe mit Frau Dr. med. Vet. Ellen Eringer von der Tierpraxis Eringer in Germering bei München gesprochen und ihr einige Fragen zum Thema Mein Hund hat Angst vorm Tierarzt – Was kann ich tun? gestellt.

Wie viele Hunde mit panischer Angst vorm Tierarzt kommen zu Ihnen in die Praxis?

Frau Dr. Eringer meinte, dass es grundsätzlich so ist, dass Hunde beim Tierarzt eher befangen und zurückhaltend sind, aber bei ca. 2% der Hundepatienten sei die Angst so stark ausgeprägt, dass die Halter es nicht schaffen, das Tier zum Gang in die Praxis zu bewegen.

Wie gehen Sie als Tierarzt mit Hunden um, die panische Angst vorm Tierarzt haben?

Die Tierärztin untersucht das Tier in diesem Fall vor der Praxis auf der Wiese, bzw. auf dem Parkplatz und gibt so dem Tier die Möglichkeit, unter weniger stressvollen Umständen die Untersuchung über sich ergehen zu lassen. Ansonsten bleibt nur die Möglichkeit eines Hausbesuchs.

Was können Hundehalter tun, um ihrem Hund die Angst vorm Tierarzt zu nehmen?

Sie rät den Herrchen und Frauchen ihrer Angstpatienten, 2 – 3 mal pro Woche die Praxis aufzusuchen, allerdings ohne jegliche Untersuchungen oder gar Behandlungen vornehmen zu lassen. Es gibt dann bei jedem Besuch ein Leckerli vom Herrchen, danach vom Tierarzt, so dass eine positive Verknüpfung mit der Praxis hergestellt wird.

Welche Gründe gibt es für Angstverhalten von Hunden beim Tierarztbesuch?

Als Gründe für panische Angst vorm Tierarzt nennt Frau Dr. Eringer einerseits mögliche Traumata und rät in diesem Fall, ein neues Vertrauensverhältnis aufzubauen, das anstelle des Traumas treten soll. Ganz wichtig ist aber laut der Veterinärin, dass die Rangordnung zwischen Hund und Hundehalter geklärt ist, denn wenn ein Hund sich nicht sicher ist, dass er in der Hierarchie dem Herrchen untergeordnet ist, fehlt ihm das Empfinden von Schutz und Geborgenheit seines Alphatiers, und er glaubt, sich in unsicheren Situationen nicht auf den Schutz seines Herrchen verlassen zu können.

Fazit

  • Gewöhnung an den Tierarzt von Beginn an, beugt Ängsten vor.
  • Nicht nur Hund, sondern auch Herrchen  und Tierarzt müssen ihren Teil zur Dreiecksbeziehung “Tierarzt -Hund-Herrchen” beitragen.
  • Die Angst selber ist nur Symptom.  Mit Bekämpfung der Ursache wird meist auch die Angst gelindert.
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Gauner, ein Labrador-Bernersennen-Mix, und ich waren ein tolles Team, er hat vor kurzem seine letzte Reise angetreten und fehlt uns seitdem sehr. Ich selber bin 34, studiere Deutsch als Fremdsprache in München und arbeite zwischendurch immer wieder auf der Tegernseer Hütte.